Panasonic LUMIX G9

Test Panasonic LUMIX G9. Meine neue Liebe.

Ich habe sie im Dezember 2017 bestellt. Hatte sie nur 1x als Vorserienmodell bei FotoKoch 20 Minuten lang in der Hand. Jetzt ist sie seit 3 Wochen in meinem Besitz – und ich bin ein wenig verliebt…

Die Rede ist von der Panasonic LUMIX DC-G9, dem neuen Foto-Spitzenmodell von Panasonic. Kostenpunkt €1699,–.

Aber von vorne:

Seit Mai 2016 bin ich MFT-Fotograf: mein Arbeitspferd als Studio- und Hochzeitsfotograf, die CANON EOS 5D Mark III, war mir an den Wochenenden auf Touren mit Tochter und Frau lästig. Ich hatte keinen Spaß beim Fotografieren, irgendwie war die Luft raus. Ich wollte mehr freie Arbeiten machen, hatte Lust auf Streetlife-Fotografie.

Die Olympus PEN-F („this beauty is a beast„) war die Lösung. Damals neu auf dem Markt, im Rangefinder-Camera-Stil, klein, dezent und leistungsstark. 17mm, 25mm und 14-150mm wurden nach einem ersten Testwochenende (Danke, FotoKoch!) mitgenommen. Bildqualität prima (bis ISO 3200), gute Auswahl an guten Objektiven, schnell, schön.

Aber: Nach und nach nervte die Bedienung: zu fummelig, zu klein. Menüführung und Ergonomie „3-„. Und die Akkuleistung ist einfach nicht praxisgerecht. Mehrfach macht der Akku ohne Vorwarnung schlapp, grrrr. Das schön gefräßte „Creative Dial“ Rädchen im Retro-Style an der Vorderseite der Kamera drückt bei längerer Nutzung am Mittelfinger (Das wäre meinem Ex-Chef bei Leica, Wolfgang Müller, nicht entgangen…).

Aber auch wenn MFT bisher und bis auf weiteres „nur“ für Family und freie Arbeiten wie Street & Travel eingesetzt wird: es nervte. Und dann kam sie: die G9.

 

Hier meine persönlichen Gründe, warum ich mich spontan für die Panasonic G9 entschieden habe:

  • Ergonomie: Die G9 liegt dank ausgeprägtem, gummiertem Griff super in der Hand. Auch mit längeren Brennweiten ist sie gut ausbalanciert, besonders mit dem optionalen Batteriegriff
  • Alles an seinem Platz: Die Bedienelemente liegen da, wo sie hingehören (Ausnahme: Joy Stick – zu weit links).
  • Direktzugriff auf Autofokusmodus, Autofokusmessfelder, Serienbildfunktionen, ISO, Menü.
  • Umfassende Individualisierungsmöglichkeiten: u.a. Belichtungskorrektur via hinterem Drehrad (ohne Knöpfchengedrücke) – da gehört es hin…
  • Dicker Akku: hinreichende Kapazität für mehr als 600 Aufnahmen in meinen eigenen Tests mit einem Akku – bei überwiegender Verwendung des EVF (und damit weit mehr als die angegebenen 380 Aufnahmen lt. Spezifikation)! Was hat mich der Mini-Akku der PEN-F genervt… Zu klein dimensioniert, und zu plötzlich tot. Ohne Zusatzakkus habe ich das Haus nicht verlassen! Und mit dem Akku-Handgriff Panasonic DMW-BGG9 verdoppelt sich direkt die Batteriekapazität via zweitem Akku.
  • Konnektivität via WLAN + (!) Bluetooth – eine geniale Kombination. Mit dem iPhone oder iPad via Bluetooth v4.2 (Bluetooth Low Energy „BLE“) gekoppelt, kann man die G9 auch in der Tasche aus dem (Halb-)Schlaf wecken, die WLAN-Verbindung aktivieren und die Bilder und Videos auf das mobile Endgerät übertragen. Das ist nicht nur Marketing-blabla, es funktioniert wirklich gut, und schnell. Und: Nicht nur JPEGs (wie bei meiner PEN-F) werden übertragen, auch RAW-Files, die z.B. direkt in Lightroom Mobile weiterverarbeitet werden können.
  • Feuchtigkeits- und kälteresistent: Das war ich von meinen Canon-Kameras gewohnt, musste bei der PEN-F vorsichtig sein. Jetzt kann ich ohne größere Bedenken auch mal bei Nebel oder im Schneetreiben entspannt fotografieren
  • AF: Die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen AF-Varianten, die die G9 bietet, muss man sich zunächst erarbeiten. Bezüglich Objekttracking und Gesichts-(bzw. Personen-)Erkennung ist sie der PEN-F mehr als eine Nasenlänge voraus. Und das bei einer Serienbildfrequenz bei Nachführung von bis zu 20 Bildern pro Sekunde (bei elektronischem Verschluss) und entspannte neun (9!) Bilder bei Nachführung bei mechanischem Verschluss. Auch wenn in meinem fotografischen Alltag die Situationen selten auftreten: Gut, dass man hier auf der sicheren Seite ist.
  • Manuelle Fokussierung: Funktioniert prima – gerade mit meinen Olympus-Pro-Objektiven – die manuelle Scharfeinstellung. Objektiv am Fokusring auf „manuell“ schalten, schon wird automatisch beim Fokussieren ein vergrößerter Bereich des Motives angezeigt. In Verbindung mit Focus-Peaking erkennt man sehr schnell, wann die richtige Schärfe erreicht ist – Schuss.
  • 4K Video: Fein! Bisher nicht wirklich gebraucht, aber früher oder später sicher ein Thema für mich. In den letzten 6 Monaten habe ich immer häufiger mit der PEN-F und dem iPhone 8 Videos erstellt und am iPad Pro geschnitten – in 1080P. Und sogar 60 fps – das ist schon großes Kino – im wahrsten Sinne des Wortes ;-)
  • Stabilisator: Seit Jahren nicht mehr so wahnsinnig kritisch (Gute Stabis im Objektiv bei Canon und Sigma, sehr gut auch bei Olympus im Gehäuse gelöst), aber gut zu wissen, dass man von Panasonic hier Spitzenklasse erwarten kann. Wenn ich auch nicht wirklich an 6.5 Zeitstufen in der Praxis glaube, so sind doch 4- oder 5-fach längere Verschlusszeiten in manchen Situationen „nice to have“. Schön: Funktioniert sogar weitgehend mit Olympus-Objektiven ohne eingebauten IS…
  • Zwei SD-Karten-Slots: Ja – das ist doch gar nicht so dumm. Seit mir vor 1 Jahr zum ersten Mal eine SD-Karte in der Kamera verreckt ist, laufe ich mit einem latend doofen Gefühl im Bauch rum: Was ist, wenn es heute wieder passiert? Jetzt speichere ich RAWs und Video auf Karte 1 (UHS II), und JPEGs als BackUp auf Karte 2 (etwas preiswertere, SD HC, Class 10 Sandisk)…
  • Hurra! Ein Display auf der Oberseite! Kamera einschalten, und sehen, welche Settings auf einen warten, wenn man die Kamera ans Auge oder vor das Gesicht nimmt? Mag vielen überflüssig erscheinen: Es gibt dazu ja ein fettes Display auf der Rückseite. Aber in der Praxis, z.B. bei der Streetfotografie, ist das ein echter Benefit. Es geht darum sicher zu sein, die richtigen Belichtungswerte schon in dem Moment eingestellt zu haben, wenn man schnell die Kamera zum Auge nehmen und abdrücken will. Und wenn man diese Gewissheit möglichst unauffällig haben möchte, geht das am dezentesten mit einem Blick auf die Kamera von oben.
  • Sucher: Der elekronische Sucher (EVF) ist auch eine Wohltat. Neben der hohen Auflösung sticht tatsächlich das große Sucherbild „ins Auge“: Für mich als Brillenträger war der Olympus-Sucher schon grenzwertig, die G9 bietet mir selbst bei der größten von drei Vergrößerungen noch halbwegs die Möglichkeit, das Sucherbild zu überblicken. Früher hieß das bei Nikon „HP“ Sucher, High-Eyepoint-Sucher: Auch ohne das Auge ganz ans Okular zu drücken, konnte ich das gesamte Bildfeld des Suchers überblicken, ohne in jede einzelne Ecke einzeln schielen zu müssen. Bei meiner EOS 5D Mark III liegt die Austrittspupille bei 21 mm – gefühl ähnlich komfortabel ist der Einblick jetzt bei der G9 (was sogar bei Vergleich der Kameras durch die technischen Daten der G9 bestätigt wird).
  • Sechs hochwertige MFT-Objektive (von Olympus) waren schon vorhanden.

Die kleinen Details, die Freude machen…

  • Auswahl im Menü, welcher Akku zuerst leergesaugt werden soll. Der (leicht zu wechselnde) Akku im Handgriff, oder der in der Kamera?
  • GPS via Handy: Auch wenn ich GPS in der Kamera bevorzugt hätte, so ist doch die Kombination mit der vergleichsweise guten Panasonic App (zur Aufzeichnung der Standortdaten) eine sinnstiftende Sache. Da ich die G9 vor allem für Reisen einsetzen werde, und Fotos gerne mit dem Ort der Aufnahme verknüpfe, werde ich das Feature sicher viel nutzen (wenn ich daran denke, die App vorher zu starten!!!)
  • Der kleine Schalter an der Vorderseite, der – bei Auslieferung – für die Umschaltung von mechanischem Verschluss auf „Silentmodus“ mit elektronischem Verschluss und ohne künstliches Auslösegeräusch konfiguriert ist (und bei mir diese Einstellung behält).
  • Der Trick mit dem QR-Code: Hier setzt Panasonic auf einen im Display angezeigten QR-Code , der passwortlose Verbindungen zwischen Kamera und Handy unterstützt. Das Passwort wird quasi im QR Code mitgeliefert, schnell und praktisch. Und in der Kurz-Bedienungsanleitung findet sich genialerweise auch ein QR-Code, mit dem man die Bedienungsanleitung als PDF-Datei im Web findet. So landet diese schnell und unkompliziert auf dem iPad und kann zu jeder Tag und Nachtzeit studiert werden…
  • Eigentlich schon Standard in dieser Liga: Wasserwaage, Echtzeit-Histogramm, Führungslinien für einfacheren Bildaufbau (3 Alternativen), Zebramuster (Standbild / Video)
  • Mikrofon-Eingang: Endlich kann ich wieder mein RØde VideoMic, das seit 6 Jahren in der Schublade liegt, sinnvoll wieder einsetzen.
  • Kopfhörer-Ausgang: Wenn ich mal ganz groß ins Videogeschäft einsteige, dann werde ich den bestimmt brauchen ;-)

Die wenigen Optimierungsmöglichkeiten

  • Platzierung des Joysticks nicht ganz optimal (zumindest für meine Hände).
  • Kissenförmige Verzeichnung und Unschärfen in den Ecken des elektronischen Suchers – aber man gewöhnt sich dran.
  • Wechseln des zweiten Akkus in der Kamera, wenn man den Akku-Handgriff Panasonic DMW-BGG9 nutzt. Dazu muss man den Griff erst abschrauben. Keine abendfüllende Veranstaltung, aber das hat Canon seit vielen Jahren eleganter gelöst…
  • Der Auslöser ist ein Sensibelchen: Was vielen Testern schon bei den Prototypen aufgefallen war, hat sich auch beim Serienmodell nicht stark geändert. Der Auslöser reagiert sehr, sehr empfindlich, und so manches Bild wird in den ersten Tagen unabsichtlich geschossen. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran!

Was ich gegenüber der PEN-F vermisse

Die sich selbst beschränkende Video-Aufnahmedauer, die mich dazu zwingt, wirklich nicht über 5 Sekunden hinaus zu filmen… DAS MACHT SINN!

Mosern auf hohem Niveau

Rauschverhalten: Wer wie ich eine hochwertige Vollformatkamera benutzt (hat), wird früher oder später sicher hinsichtlich des Rauschverhaltens die Grenzen des kleineren Sensors merken. Bei ISO 3.200 ist in aller Regel die Grenze erreicht, bis zu der noch akzeptable Bildergebnisse zu erwarten sind (natürlich abhängig vom Verwendungszweck…).

Im Vergleich zu meiner Olympus PEN-F (ebenfalls mit recht aktuellem 20 Megapixel-Sensor ausgestattet) kann ich hier keinen signifkanten Unterschied feststellen, wohl aber zur Canon EOS 5D Mark III. Da sind definitiv noch 1-2 ISO-Stufen bei gleicher Qualität mehr drin.

Höher – schneller – weiter: Die G9 ist ein Monster!

In den Pressemitteilungen und der Anleitung wimmelt es vor lauter weiterer Features:

  • 80MP High Resolution-Shot: Nur für unbewegte Motive zweckmäßig, und damit für meine Art der Fotografie kein echter Benefit.
  • USB-Typ 3.1: Ja, nett – aber kein Burner, wenn man die Bilder eh meist per SD-Card-Reader überträgt. Und solange Tethering mit der G9 von Lightroom nicht nativ unterstützt wird, wird der Importprozess im Studio (Tethering per USB-Kabel direkt in den PC) eh ausgebremst.
  • schnelle AFC Serien: 20 B/s. Ok, mit elektronischem Verschluss. Brauch ich nicht.
  • Stop-Motion-Aufnahme: Tja, auch nicht mein Spezialgebiet.
  • Blenden-Belichtungsreihe: Klar, ganz nett.
  • 6K/4K-Foto: Muss ich mal in Ruhe checken, ob das in irgendeiner Form sinnstiftend ist.
  • Post-Fokus: High-Tech, vielleicht ja mal ganz nützlich bei Makroaufnahmen. Bin aber kein Blümchenfotograf :-)
  • iDynamik: Habe ja bekanntlich das iPhone, dann brauch ich auch iDynamik, oder etwa nicht?
  • Weitere Features findet Ihr in der ausführlichen Beschreibung der technischen Daten von Panasonic

Praxiserfahrung:

Folgende Objektive nutze ich mit der G9:

Ferner manuelle MFT-Adapter für:

  • Canon (z.B. in Verbindung mit Sigma 50mm F1,4 DG HSM)
  • Leica (z.B. in Verbindung mit Summicron-M 2.8/90 von 1996)