Rollei Blitzgerät 56 Produktbild Set

Rollei Blitzgerät 56 und Zubehör

Im November 2016 bin ich in Facebook über eine Anzeige gestolpert, über die die Heise Medien GmbH & Co. KG Fotografen für Tests eines Rollei-Blitzsets suchte. Nach kurzer Bewerbung erhielt ich die Zusage, gemeinsam mit 5 weiteren Fotografen an dem Test teilnehmen zu können. Anreiz für alle Teilnehmer: Das komplette Testequipment bestehend aus 2 Aufsteckblitzgeräten vom Typ „Blitzgerät 56“, „Rollei Funk Blitzauslöser Set“ und einem zusätzlichen „Rollei Funk Blitzempfänger“ verblieb nach dem Test bei den Autoren.

Mein Canon  Speedlite 580ex II war kurz zuvor auf einer Hochzeit gestohlen worden, meine anderen 3 Kompaktblitzgeräte waren entweder zu schwach auf der Brust (Canon Speedlight 430 II) oder nicht zu zuverlässig (2 x Yongnuo YN568EX II) und ich hoffte, dass die neuen Rollei-Blitzer vielleicht ein adäquater Ersatz sein könnten.

„Unboxing“ und erster Eindruck

Die Verpackung aus sehr festem Karton ist „iPhone-like“ und macht einen sehr wertigen, stabilen Eindruck. Sie erfüllt zweifellos die Anforderungen an einen sicheren Transport zum Kunden.
Beim Öffnen schlägt einem – anders als bei manchen Produkten z.B. chinesischer Anbieter – kein scharfer Geruch in die Nase. Kratzempfindliche Teile wie das Display und der Blitzsensor / AF-Hilfslampe auf der Front werden durch Folie beim Transport geschützt.

Das Test-Set umfasste:

  • 2 x Blitzgerät 56
  • 1 x Rollei Funk Blitzauslöser Set (bestehend aus Blitzempfänger und –sender)
  • 1 x Rollei Funk Blitzempfänger

Sofort springt die optische Verwandtschaft des Gehäuses mit dem Spitzenmodell von Canon ins Auge: Form, Größe, Display.

Überraschend ist die – in dieser Preisklasse – außergewöhnlich gute Verarbeitung des Blitzes: Keinerlei scharfkantige Kunststoffecken, gut sitzende Gummilaschen zum Schutz des USB-Slots sowie der PC-Buchse und der externen Strombuchse. Ein Streifen mit einer Gummierung an beiden Seiten des Blitzkopfes ist nicht nur Zierde, sondern sorgt für einen besseren Griff des Blitzes als die üblichen glatten Oberflächen bei anderen Herstellern.

Lediglich das Batteriefach macht einen etwas wackeligeren Eindruck: Andere (Original-)Hersteller integrieren einen etwas bequemeren Federmechanismus, der dem Rollei 56 fehlt. Funktional ist letztlich aber nichts an der Lösung auszusetzen.

Eine besondere Erwähnung verdient die mitgelieferte Schutztasche: Sie hat gegenüber allen mir bekannten Blitztaschen vier (!) einzigartige, praxisgerechte Vorteile:

  1. Eine Gürtellasche mit Klettverschluss ermöglicht das Blitzgerät am Gürtel oder am Gurt der Kameratasche zu befestigen.
  2. Ein kleines Reißverschlussfach nimmt den Diffusor auf.
  3. Im gleichen Fach sind 4 Laschen für Ersatzbatterien.
  4. Selbst an die mitgelieferten Standfuß wurde gedacht. Er findet in einem schmalen Fach der Tasche hinter dem Blitzgerät seinen Platz.

Endlich hat ein Produktmanager mal praxisnah gedacht: Diese Schutztasche wird nicht in der Schublade verstauben, sondern bei vielen Jobs eingesetzt!
Kleine Kritik: Der Standfuß gleitet nicht ohne weiteres in das Fach – er bleibt häufig an der Innenseite hängen. Insgesamt aber leicht zu verschmerzen.

Zubehör Rollei 56 Blitzgerät

Alle Komponenten, das Blitzgerät, die Schutztasche, Diffusor und auch das USB-Upgrade-Kabel machen einen wertigen Eindruck – qualitativ auf Augenhöhe mit den vielfach teureren Geräten der Kamerahersteller.

Lieferumfang Rollei Blitzgerät 56

Der Lieferumfang mit der genialen Schutztasche, Diffusor sowie Standfuß und USB-Kabel ist beispielhaft! Neben einer sechssprachigen Bedienungsanleitung liegt ein 5€ Gutschein für den Rollei Online Shop (nach Anmeldung zum Newsletter) bei.

Die Bedienungsanleitung streift alle Funktionen, kann aber komplexere Anwendungs¬szenarien nicht befriedigend darstellen. Ferner ist die deutsche Version in manchen Passagen unpräzise oder zumindest hinsichtlich der Wortwahl unpassend.
Der Dual Mode (Canon / Nikon) trägt auch nicht zur Übersichtlichkeit und Lesefluss bei….

Montage des Rollei 56 auf der Kamera

Der Blitz sitzt sauber im ISO-Schuh aller geprüften Kamera – die Rändelschraube ist großzügig dimensioniert, so dass das Lösen von der Kamera nicht zur Fummelei wird. Schade: Während der im Set beiliegende Blitzauslöser zur Fixierung im ISO-Schuh die (vor Feuchtigkeit der Kontakte schützende) „Knebelmechanik“ der aktuellen Canon-Blitzgeräte nachgeahmt hat, verzichten die Blitzgeräte auf diesen Schnellverschluss.

Sonstiges/erste Erfahrungen Rollei 56

In den meisten Bereichen der Fotografie ist – mal mehr, mal weniger – eine zusätzliche, künstliche Beleuchtung notwendig: Sei es, schlichtweg aufgrund mangelnder Beleuchtung vor Ort, oder weil ein oder mehrere zusätzliche Lichtquellen als Gestaltungsmittel eingesetzt werden. Nach über 30 „Fotojahren“ habe ich dabei viele Blitzgeräte und –systeme kennengelernt: von Nikon, Canon, Metz, Leica, Sony und Olympus. Dabei setze ich seit vielen Jahren Blitzgeräte in Verbindung mit meinen Canon-Kameras auch entfesselt ein – infrarot- oder funkgesteuert, einzeln und in Gruppen, je nach Bedarf. Darüber hinaus arbeite auch seit vielen Jahren im Studio mit einer professionellen Studioblitzanlage von Hensel, die ebenfalls ohne Stromnetz auskommt (Hensel Porty 1200).

Im Rahmen des Tests wurde / wird der Rollei 56 bzw. der Funk-Blitzauslöser überwiegend an der Canon EOS 5D Mark III in Verbindung mit den Objektiven Canon EF 2,8/24-70 L II USM, Canon EF 4,0/16-35 L IS USM, Canon EF 2,8/70-200 L IS II USM, Canon EF 2,8/100 USM Makro sowie Sigma AF 1,4/50 DG HSM A Canon eingesetzt. Ein kurzer Funktionstest wurde ferner mit eine Canon EOS 7D erfolgreich absolviert.

Gelegentlich wurde geprüft, ob sich die Blitzfunktionen auch über das Kameradisplay auf der Rückseite ändern lassen. Das Rollei 56 Blitzgerät verhielt sich bei allen Stichproben immer wie ein Original-Systemblitz: Die bi-direktionale Kommunikation Kamera – Blitz funktioniere auch bei komplexeren Einstellungen einwandfrei.

Dementsprechend reagierte die Kamera mit dem Hinweis auf ein inkompatibles Blitzgerät, hatte man am Rollei 56 anstelle von Canon einen Nikon-Betriebsmodus eingestellt.

Der Dual Mode ist grundsätzlich sicher für viele Fotografen interessant. Ohne Aufpreis erhält der Käufer „Investitionssicherheit“: Bei einem Systemwechsel braucht das Blitzgerät nicht ausgetauscht werden.

Beruflich arbeite ich nahezu ausschließlich mit dem Canon-System. Aber aus Verbundenheit mit meinen Anfangsjahren als Fotograf stehen zwei analoge Nikon FE2 (Produktionszeitraum: 1983-88!) im Regal – die sogar von Zeit zu Zeit mit Schwarz-Weiß-Filmen gefüttert und genutzt werden. Selbst bei diesen Klassikern ergab einer kurzer Test aus Neugierde: Die Blitzbereitschaft wird sauber an die Blitzbereitschafts-Leuchtdiode dieser 30 Jahre alten Kameras übertragen, der Blitz löst aus – und ich gehe stark davon aus, das auch die TTL-Blitzsteuerung der mit dem Rollei 56 einwandfrei funktioniert. Da ich keine TTL-Blitzgeräte mehr für meine alten Nikons habe, ist diese Kompatibilität für mich eine echte Bereicherung!

Test Rollei Blitzgerät 56 mit Nikon FE2

Allerdings macht die Koexistenz zweier Modi die ohnehin nicht ganz triviale Bedienung des Rollei-Blitzsystems komplexer (besonders im Master/Slave-Betrieb), und durch zusätzliche Tastendrücke die Einstellung gelegentlich langsamer. Dies gilt gleichermaßen für die den separaten Blitz-Sender „Rollei Wireless Flash Unit Transmitter“: Beim versehentliches Drücken der Modus-Taste findet man sich plötzlich im Nikon-Modus – darauf muss man achten…
Hinzu kommt, dass der Verfasser (oder Übersetzer) der Bedienungsanleitung offensichtlich durch die Fülle der unterschiedlichsten Szenarien (Canon Master, Nikon Master, Slave, S1, … ) sprachlich überfordert war (siehe oben).

Canon und Nikon beherrschen den Markt für Vollformat- und APS-C-Spiegelreflexkameras. Der größte Teil der Zielgruppe wird sich für eins der beiden Systeme entschieden haben – und nicht beide Systeme gleichzeitig einsetzen. So mancher Fotograf setzt mittlerweile neben seiner großen DSLR zusätzlich eine kleine spiegellose Systemkamera aus dem Micro-Four-Third-System oder Fuji (APS-C) ein. Daher wäre zu prüfen, ob nicht z.B. Dual Modi-Kombinationen Canon – Olympus oder Nikon – Fuji einen größeren Markt anspricht.

Praxistest Rollei Blitzgerät 56

Die Blitze wurden in folgenden Szenarien eingesetzt:

Basisfunktionen:

für erste Tests der Kompatibilität (Qualität der Belichtung, Verstellung TTL-Blitzleistung via Kamera-Blitzleistungskorrektur, Blitzfolgezeit, Nahaufnahmen von Details (indirektes Licht über die Decke, Makro-Objektiv)…

Rollei Blitzgerät 56 - erster Test

Rollei Blitzgerät 56 – erster Test

Rollei Blitzgerät 56 – erster Test2

Portrait im Innenraum

 

Portrait mit direktem Blitz, Rollei Blitzgerät 56

Portrait mit direktem Blitz, Rollei Blitzgerät 56

Portrait mit indirektem Blitz (über die Decke)

Portrait mit indirektem Rollei Blitzgerät 56 (über die Decke), nachträgliche Vignettierung

 

Außenaufnahmen mit entfesseltem Blitz mit Rollei Funk Blitzauslöser Set

Hier wurde ein Rollei Blitzgerät 56 außen auf einem Balkon montiert. Die Steuerung der Lichtleistung erfolgte funkgesteuert über den Rollei Funk Blitzauslöser Sender auf der Kamera und Rollei Funk Blitzauslöser Empfänger unter dem Rollei Blitzgerät 56. Grundsätzlich funktionierte der TTL-Betrieb bei verschiedenen Testszenarien sehr gut. Das hier gezeigte Bild bedurfte jedoch aufgrund der gewünschten Bildausleuchtung einer manuellen Steuerung der Blitzleistung, was sich jedoch Dank des Displays auf dem Sender gut konfigurieren ließ.

Der Blitz wurde von außen auf das Fenster ausgerichtet, das Model wurde von außen durch die Scheibe beleuchtet.

Rollei Blitzgerät 56 - entfesselter Einsatz via Funk

Rollei Blitzgerät 56 – entfesselter Einsatz via Funk mit Rollei Funk Blitzauslöser Set

Automatiksteuerung der Blitze 

In Programmautomatik und E-TTL-Modus: Gleiche Belichtung wie Originalblitz von Canon.

Manuelle Einstellungen

Bei der manuellen Einstellung des Rollei 56 lieferte der Blitz reproduzierbare und gleichbleibende Helligkeiten bei gleicher Leistungseinstellung. Die Verstellung der Leistung in 1/3 Blendenstufen ermöglicht eine präzise Blitzbelichtungssteuerung. Dies gilt gleichermaßen bei direkter Beleuchtung des Motives wie auch bei indirekter Beleuchtung über den Schwenkreflektor – mit und ohne der eingebauten weißen Karte.

Bedienbarkeit des Blitzes (Menüführung)

Grundsätzlich bieten heutige Systemblitzgeräte eine Fülle von Einstellungsmöglichkeiten an, die für Neueinsteiger – sofern man nicht ausschließlich in Vollautomatik fotografiert – einen Blick ins Handbuch notwendig macht.

Hat man erstmal die grundlegende Systematik (Mode-Knopf zur Auswahl der Grundeinstellung bei Verwendung direkt auf der Kamera; Auswahl der Blitz-Modi für beim entfesselte Blitzen mit dem linken „Clear“-Knopf) verstanden, lassen sich nach angemessener Einarbeitungszeit alle Funktionen finden und einstellen.

Da die Konfiguration sowohl für Canon als auch für Nikon möglich ist, finden sich allerdings im Menü bisweilen redundante Einstellungsopionen: Dass die Möglichkeit besteht, im Blitzmenü „Nikon – Master“ in Verbindung mit Nikon iTTL auszuwählen, dürfte häufiger für Kopfschütteln sorgen. Besser wäre es wahrscheinlich, dem Rollei 56 die Möglichkeit zu spendieren, jeweils nur sinnvolle Optionen für a) Canon oder b) Nikon anzuzeigen.

Ansonsten: Die Bedienung des Blitzes lehnt sich in weiten Teilen an die Bedienung moderner Canon Blitgeräte an. Sowohl Tastenlayout als auch das große, beleuchtbare Display inkl. Benutzerführung sind Canon-typisch aufgebaut. Von den hochpreisigen Top-Geräten von Canon unterscheidet sich der Rollei 56 z.B. durch einen 4-Wege-Controller statt eines Drehrades – was bei manuellen Einstellungen der Blitzleistung die Bedienung marginal langsamer macht.

HSS
Beim HiSpeed-Synchronisation (HSS) ist zum zweiten Mal während des Tests der Blitz „abgestürzt“. Nach wenigen Testaufnahmen (mit Pausen zwischen den Fotos) löste der Blitz zunächst sporadisch nicht aus, nach ca. 12 Bildern gar nicht mehr. Das Display funktionierte, Funktionen konnten verändert werden, aber ein Blitz ließ sich dem Gerät auch nicht mal durch Druck auf die Taste der Blitzbereitschaftsanzeige auslösen. Suche nach etwaigen Fehlern: Die Akkus waren voll; und auch ein Austausch gegen einen frisch geladenen Eneloop Pro-Satz konnte das Gerät nicht widerbeleben.

Stroboskop
Auch die Stroboskop-Funktion wurde getestet – sowohl mit der Einstellung über das Blitzgeräte-Display, als auch über das Kameramenü der Canon EOS 5D Mark III. Übertragung der Daten funktionierte in beide Richtung, und auch die Ergebnisse entsprachen dem Erwarteten. Mit kleiner Leistung (1/128) lassen sich bis zu 40 Blitze mit einer Frequenz von 1/199 Sek. „abfeuern“ – für Bewegungsstudien oder spezielle Effekte.

Stroboskopbetrieb Rollei Blitzgerät 56

Stroboskopbetrieb Rollei Blitzgerät 56

Funktionalität Schwenkkopf, Reflektorkarte und Streuscheibe

Wie üblich lässt sich der Schwenkkopf in beiden Richtung um 180 Grad drehen, und gegen die Decke richten. Sehr gut: Eine Reflektorkarte ist ebenso in den Kopf integriert wie eine Streuscheibe. Die Karte macht einen stabilen Eindruck – und ist willkommenes Hilfsmittel bei Portraits im Innenraum, bei denen der Reflektor für ein weiches, indirektes Licht gegen die (weiße!) Decke gerichtet wird, und ein Teil des Lichtes durch die Reflektorkarte wieder direkt auf die Personen(en) reflektiert wird. So entstehen dezente Lichtreflexe in den Augen bei gleichzeitig weichem indirektem Hauptlicht.

Gut, dass eine Streuscheibe ebenfalls integriert ist, schade, dass die Ausleuchtung der Streuscheibe miserabel ist: größere Bereiche im linken und rechten Drittel der Aufnahme sind deutlich heller als das mittlere Drittel (und die Ränder, aber das ist mehr oder weniger zu erwarten). Es geht besser, wie ein Vergleich mit dem Canon 430 EX II zeigte: Die Aufnahmen sind sehr homogen ausgeleuchtet.

Einschränkend muss man allerdings sagen, dass

  • die Helligkeitsverteilung nur bei sehr kritischen Motiven mit großen homogenen Flächen auffällig wäre
  • einer indirekten Beleuchtung bei Ultraweitwinkelaufnahmen über die Decke (wenn vorhanden) der Vorzug gegeben werden sollte, und
  • der im Lieferumfang enthaltene Diffusor im Zweifel bessere Ergebnisse liefert.

Motorzoom und Reflektor (Funktionalität, Ausleuchtung/Lichtstreuung)
Der Motorzoom reagiert auf alle verwendeten Canon-Objektive – die jeweils passende Brennweite wird im Display angezeigt.
Ein kurzer Test der Ausleuchtung ergab jedoch Mängel in der Lichtstreuung – sowohl ohne als auch mit der eingebauten Streuscheibe.
Als Vergleich diente ein Canon 430 EX II.

Test Ausleuchtung:
Getestet mit

  • Autozoom – ohne Streuscheibe
  • 2m Abstand zu weißer Stoffbespannung
  • EOS 5D Mark III, Canon EF 2,8/24-70 L II USM, f 5.6
  • TTL, Mehrfeldmessung, +1 TTL Belichtungskorrektur (via Kamera)
  • 24mm bis 70mm
  • Vignettierung in Adobe Lightroom mit Adobe Objektiv-Profil herausgerechnet
Rollei vs. Canon

Rollei Blitzgerät 54 (links) gegen Canon 430 EX II (rechts) bei 24mm

Ergebnis:
Relativ stark abfallende Helligkeit zu den Bildrändern (insbesondere im Vergleich zu Canon 430 EX II). Ferner: Auffällige Unterbelichtung im unteren Sechstel des Bildes. Absenken des Blitzkopfes in die Nahaufnahme-Position brachte Linderung (allerdings solle eine Absenkung bei einem Motivabstand von 2m zur Kamera nicht notwendig sein, um den Effekt zu vermeiden) – aber insgesamt nicht optimale Ausleuchtung!

Leider war auch der Test im Weitwinkelbereich mit der eingebauten Streuscheibe nicht besonders gut. Nierenförmige Hotspots links und rechts von der Mitte: Nicht optimal! Bei Canon ist bei gleichen Parametern die Ausleuchtung sehr viel homogener!

Resümee Ausleuchtung: Nicht für Vollformat-Kameras!

Für Vollformat-Kameras ist der Blitz nicht zu empfehlen. Die Ausleuchtung ist zu inhomogen und der Lichtabfall in den Ecken zu groß. Die Verwendung der eingebauten Streuscheibe bringt andere Probleme mit sich: Hotspots. Sofern der Vollformat-Fotograf mit diesem Blitz nicht ausschließlich indirektes Licht setzt, entfesselt arbeitet oder mit zusätzlichen Softboxen ist vom Kauf abzuraten. Für APS-C Kamera dürfte das Gerät besser geeignet sein. Leider ist die Ausleuchtung ist nicht auf Augenhöhe mit teureren Systemblitzen.

Blitzreichweite bei welchen Einstellungen

Tests bei Nacht vom Balkon ergaben eine hohe Reichweite: Das gegenüberliegende, rund 75m entfernte Haus wurde bei ISO 800, f. 2,8 und einer Brennweite von 200mm an einer Canon 5D Mark III mit voller Leistung 1:1 oder TTL gut beleuchtet.

Sowohl bei Erstellung von Businessportraits in den Geschäftsräumen der Kunden („on Location“) als auch bei Hochzeiten erzielt man meist bessere Ergebnisse mit Blitz, wenn der Blitz von der Kamera getrennt eingesetzt wird. Frontales Blitzen hat mehrere Nachteile: Das Licht ist flach – Gesichter werden schattenfrei ausgeleuchtet; gleichzeitig entstehen hinter den Personen tiefe Schlagschatten. Indirektes Blitzes z.B. über eine Zimmerdecke kann dann zwar die Effekte mindern, aber eine Lichtführung mit einem Hauptlicht z.B. 45 Grad von der Bildachse entfernt und zusätzlich einer weiteren Lichtquelle von seitlich hinten sorgt für deutlich mehr Plastizität im Bild und stimmigere Ergebnisse.

Wie viele langweilige Fotos vom Hochzeitstanz hat man schon gesehen, bei denen der Fotograf frontal das Brautpaar mit Aufsteckblitz abgelichtet hat. Ergebnis: Die romantische Stimmung eines dunklen Saals mit wenigen Lichtquellen ist „totgeblitzt“ worden. Ich setze in diesem Fall zwei entfesselte Blitze als Effektlichter mit Farbfiltern vor den Reflektoren ein, die auf der gegenüberliegenden Seite des Saals platziert werden und ein farbiges Gegenlicht erzeugen.

Master-/Slave-Betrieb

Die vollautomatische TTL-Master-Slave-Funktion halte ich in meiner Praxis für wenig zweckmäßig, da sich mit ändernden Motivhelligkeiten auch immer die Belichtung ändert. Komplexere Licht-Set-Ups lassen sich einfacher im manuellen Mehrblitzbetrieb realisieren.

Sender/Empfänger-Betrieb: Montage

Funksender und -empfänger sind schnell montiert. Zu achten ist beim Empfänger darauf, dass der – im Batteriefach versteckte – Umschalter zwischen Canon- und Nikon-Kompatibilität richtig eingestellt ist. Canon like verfügt der Sender über einen Knebelverschluss zur Fixierung am ISO-Schuh der Kamera.

Sender/Empfänger-Betrieb: Programmierung

Das Display ist recht blickwinkelabhängig und nicht besonders kontraststark. Erst bei direkter Aufsicht kann man den Inhalt gut erkennen. Da hilft auch nicht, dass der Sender leicht gekippt ist – der Fotograf muss die Kamera weit nach hinten kippen, um die Einstellungen vornehmen zu können.

Es kam während des Tests häufiger vor, dass ich versehentlich im Nikon-Menü statt im Canon-Menü gelandet bin – das passiert leicht, wenn man die nahe bei einander liegenden Knöpfe für die unterschiedlichen Modi verwechselt.

Beim Test habe ich mich auf die von Rollei „Canon Mischmodus“ konzentriert: Hier können die Geräte gruppenweise Manuell oder per TTL durch die Kamera gesteuert werden – auch gleichzeitig. In der Praxis setze ich indes lediglich den manuellen Modus ein, um von den Blitzen jeder Gruppe definierte Helligkeiten abzurufen. Das funktionierte während des mehrtägigen Tests stabil und tadellos.

Erfahrungen mit der Energieversorgung

Im Rahmen des Tests wurden Eneloop und Eneloop Pro Akkus genutzt. Die Blitzfolgezeiten waren ausschließlich sehr gut, bei voller Leistung wurde die angegebene, hohe Blitzfolgezeit von ca. 3 Sek. erreicht (nicht gemessen).

Der Stromverbrauch war unauffällig – ein Set von vier vollgeladenen Akkus pro Blitz reichte über die gesamte Testdauer, wobei mit unterschiedlichen Leistungen von ca. 1/32 bis 1/1 fotografiert wurde. Auch nach über 150 Blitzen verschiedener Stärke waren die Akkus noch „im grünen Bereich“.

Das Rollei Blitz-Sortiment

Bei Rollei erhält man aus einer Hand hochwertige (APS-C)-Blitzgeräte und Funk-Sender-Kombinationen, die optimal aufeinander abgestimmt sind.

Wenn Rollei eine qualitativ gute Alternative zum Canon 600 EX II RT für € 250,– mit INTEGRIERTEM Funkempfänger, einen passenden Funk-Sender wie Canon ST-E3 RT für € 100,– hätte, würde man auch Semi-Profis und vielleicht sogar Profis dafür begeistern können.

Ergänzen könnte man das Blitz-System ferner um:

  • Softboxen für Rollei 56 / 58 (mit und ohne Funkempfänger unter dem Blitz)
  • Evtl. hochwertiger Blitzneiger mit Schirmhalterung für Montage auf Stativen

Für Fotografen mit APS-C Kameras ist der Blitz bzw. das Blitzset mit genannten (kleinen) Einschränkungen (Montagsgerät?) durchaus empfehlenswert – insbesondere dann, wenn die zwei Kamera-Systeme Canon und Nikon im Haushalt vorhanden sind.

Für Besitzer von Vollformat-Kameras kann der Blitz nur für entfesseltes Blitzen oder in Verbindung mit Tele-Brennweiten > 100mm sinnvoll eingesetzt werden – dann nämlich spielt das Problem der Ausleuchtung keine Rolle.

Schaut man sich auf dem Markt für Aufsteck-Blitzgeräte um, stößt man schnell auf äußerlich ähnliche Geräte anderer Marken die – meist ohne Dual Mode – mit ähnlichen Eigenschaften für unter € 100,– angeboten werden. Ist kein zweites Kamerasystem im Haus können diese Blitzgeräte eine noch preiswertere Alternative darstellen…

Fazit Rollei Blitzgerät 56 und Rollei Funk Blitzauslöser Set

Vorausgesetzt man erwischt kein Montagsgerät (der Rollei 56 ist während des Tests ausgefallen, wurde aber schnell ersetzt – das Ersatzgerät funktioniert wie auch der zweite Blitz unauffällig und tadellos!) kann ich in der Summe der Eigenschaften und angesichts des fairen Preis-Leistungs-Verhältnisses den Rollei 56 für APS-C-Kameras der beiden Hersteller Nikon und Canon empfehlen.

Die schlechtere Ausleuchtung, die in erster Linie bei Vollformat-Kameras und kritischen Motiven sichtbar wird, ist zu verschmerzen. Angesichts der noch größeren Fülle an Einstellungsmöglichkeiten (durch den Dual Modus) sollte eine ausführlichere, bessere Bedienungsanleitung dem Gerät beiliegen – oder Rollei speckt bewusst Funktionen ab, so dass der typische Käufer weniger die Bedienungsanleitung lesen muss und mehr fotografiert.

Das Rollei Funk Blitzauslöser Set verdient gute Noten. Im Test gab es bis auf Kleinigkeiten an der Funktion nichts zu bemängeln. Der Preis ist für die gebotene Funktion sehr fair.

Welche Alternativen für funkgesteuertes, entfesseltes Blitzen gibt es?

Für maximale Performance hinsichtlich Schnelligkeit und Ausleuchtung führt sicher kein Weg am Canon-eigenen System aus Canon Speedlite 600EX II-RT und Canon EOS ST-E3-RT Speedlite Transmitter vorbei. Der um den Faktor 3,5 fach höhere Preis ist für Gelegenheitsnutzer aber eher abschreckend.

In einer ähnlichen Preisregion wie Rollei gibt es jedoch auch die beliebten Geräte von Yongnuo, z.B. YONGNUO YN685 mit Yongnuo YN 622C. Für